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INTIMITÄT
Beide Texte beziehen sich ursprünglich auf
den
Schüleraustausch
Freundschaften Die freundschaftliche Beziehungen in Russland verlaufen auf einer Ebene tiefer Intimität: man spricht über vieles mit Freunden. Dabei sind in jungen Jahren freundschaftliche Beziehungen meist geschlechtergetrennt. Mädchen befreunden sich mit Mädchen und eher selten mit Jungen, diese Freundschaften werden von meisten Russen immer noch ein wenig Suspekt angesehen. Egal, wie gut die Freundschaft ist, die Freunde übernachten eher selten bei einander, erst recht nicht, wenn es eine Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Jungem ist. Auch Freund und Freundin haben es schwer: man sollte nicht ohne Vorschlag der (Gast-)Eltern zu Gast zu bleiben. Dies ändert sich allmählich mit 17-18 Jahren. Ausländer wundern sich nicht selten, wie oft sich die Menschen berühren. Es ist zum Beispiel nicht unbedingt selten, Männer Arm in Arm auf der Straße zu sehen. Oft sitzt man in der Familie auch näher beieinander, als es einem Westeuropäer angenehm ist. Dieses Verhalten einem selbst gegenüber sollte man aber nicht als irgendeine Anspielung deuten, denn es ist nur ein Zeichen von Akzeptanz und Zuneigung, das einem entgegengebracht wird. Wirkliche Freunde zu finden kann in Russland mitunter schwer sein, was wohl an der in Russland weit verbreiteten anfänglichen Zurückhaltung liegen kann. Man sollte jemanden, den man nicht besonders lange kennt, nicht inflationär als Freund bezeichnen. Man sollte sich
nicht gleich von der kurzen Distanz abschrecken lassen, die ein Russe
bei einem Gespräch zu einem hält. Es ist normal, dass man zueinander vielleicht
nur
20-40cm Abstand hält. Man muss nicht gleich einen Schritt zurück
machen. Das könnte manchmal als Unhöflichkeit oder Unwille zur
Kommunikation gedeutet werden. Zudem ist einem Russen im Gespräch der
Augenkontakt wichtig. Wie es sehr
gut auch im Westen bekannt
ist, war
Sowjetunion mehr als konservativ in der Beziehung zur Sexualität. Die
Situation hat
sich in den letzten 10 Jahren stark verändert: So werden
Filmproduktionen aller Genres nicht mehr nur aus dem Westen importiert,
seit einiger Zeit werden anstößige Filme auch in Russland selbst
produziert, was eine öffentliche Diskussion über die Sexualität
anheizt. Älteren Menschen scheint das der Ausdruck "Sex" (in Russland
dasselbe Wort) ein Fremdwort zu sein, bei den Jüngeren hat sich dies
aber längst geändert, man kann mit ihnen immer offener über dieses in
Russland oft heikle Thema sprechen. An Schulen wird bis heute keine
richtige Aufklärung betrieben, das Thema ist tabu; In der Familie ist
es oft (nicht immer) ebenfalls so.
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